
RAADS-R PunktzahlBedeutung & InterpretationVerstehen Sie Ihre Ergebnisse
Eine umfassende Anleitung zur Interpretation Ihrer RAADS-R Testergebnisse. Erfahren Sie, was die verschiedenen Punktzahlbereiche bedeuten und welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten.
Forschungsbasierte Interpretation
Die hier präsentierten Informationen basieren auf der Originalforschung von Ritvo et al. (2011) sowie der aktualisierten Analyse von Hegarty et al. (2025), die verfeinerte Schwellenwerte für die klinische Praxis bietet.
Referenz: Hegarty, J.P., et al. (2025). Replikation und Verfeinerung der RAADS-R-Schwellenwerte.
Die wissenschaftliche Entwicklung der RAADS-R Bewertungsstandards
Das Verständnis, wie sich die RAADS-R-Interpretation entwickelt hat, hilft Ihnen, Ihre Ergebnisse besser einzuordnen. Die Bewertungsstandards wurden auf Grundlage akkumulierter Forschungsergebnisse erheblich verfeinert.
Ursprüngliche Forschung
Ritvo et al. veröffentlichten 2011 den RAADS-R mit einem einzigen Schwellenwert von 65 Punkten. Dieser Schwellenwert basierte auf der Analyse von 201 autistischen Personen im Vergleich zu neurotypischen Kontrollpersonen. Bei diesem Grenzwert zeigte der Test eine Sensitivität von 97% – das heißt, er identifizierte 97% der autistischen Personen korrekt.
Herausforderungen bei der Replikation
Nachfolgende Studien deckten Probleme mit dem 65-Punkte-Schwellenwert auf. Forscher fanden erhöhte Falsch-Positiv-Raten, insbesondere bei Personen mit ADHS, Angststörungen, Depression und Traumageschichte. Der Bereich von 65-105 Punkten wurde als 'Grauzone' bekannt, in der die Spezifität problematisch war.
Bahnbrechende Forschung von Hegarty et al.
Die Studie von Hegarty und Kollegen aus dem Jahr 2025 analysierte Tausende von Teilnehmern, um verfeinerte Schwellenwerte zu etablieren. Die Forschung bestätigte eine Sensitivität von 97% und identifizierte gleichzeitig vier klinisch bedeutsame Scorebereiche: unter 65 (geringe Wahrscheinlichkeit), 65-105 (Grauzone), 106-139 (81% Spezifität) und 140+ (ausgeprägte Merkmale mit seltenen Falsch-Positiven).
Warum 65 nicht mehr der Goldstandard ist
Der ursprüngliche 65-Punkte-Grenzwert bleibt für das erste Screening nützlich, reicht aber für die klinische Interpretation nicht aus. Modernes Verständnis erkennt an, dass Scores zwischen 65-105 mehrere Zustände widerspiegeln können, nicht nur Autismus. Das gestufte System bietet differenziertere Orientierung: Scores unter 65 schließen Autismus zuverlässig aus, während Scores über 106 einen starken positiven prädiktiven Wert bieten. Diese Entwicklung spiegelt die wissenschaftliche Methode in Aktion wider – erste Erkenntnisse, die durch Replikation und größere Datensätze verfeinert wurden.
Schnelle Übersicht
Detaillierte Punktzahl-Interpretation
Unter dem Schwellenwert
Punktzahlen in diesem Bereich sind typisch für nicht-autistische Personen. Die Forschung von 2025 bestätigt, dass Werte unter 65 eine hohe Spezifität haben, um Autismus-Spektrum-Störung auszuschließen. Die meisten neurotypischen Erwachsenen erreichen Werte in diesem Bereich.
Neurodivergentes Signal (Grauzone)
Dieser Bereich gilt als 'Grauzone' mit geringerer Spezifität. Werte hier können auf autistische Merkmale hinweisen, könnten aber auch ADHS, Angststörungen, soziale Angst oder traumabedingte Zustände widerspiegeln. Eine sorgfältige Interpretation ist erforderlich.
Vereinbar mit Autismus
Starker Hinweis auf Autismus-Spektrum-Merkmale. Die Forschung zeigt, dass die Spezifität bei diesem Schwellenwert auf 81% zurückkehrt. Werte in diesem Bereich sind mit einem Autismus-Spektrum-Profil vereinbar und zeigen Merkmale, die die neurotypische Bevölkerung deutlich übersteigen.
Ausgeprägte autistische Merkmale
Sehr hohe Korrelation mit Autismus-Spektrum-Störung. Falsch-Positive sind auf diesem Niveau selten. Personen mit einem Wert von 140 oder höher zeigen ausgeprägte autistische Merkmale in mehreren vom RAADS-R gemessenen Bereichen.
Maximal mögliche Punktzahl
Die absolute Höchstpunktzahl, die auf der RAADS-R-Skala erreichbar ist. Jede der 80 Fragen kann 0-3 Punkte erzielen, für insgesamt 240 Punkte. Das Maximum zu erreichen ist extrem selten.
Wichtige Faktoren bei der Interpretation
97% Sensitivität
Der RAADS-R hat eine Sensitivität von 97%, d.h. er identifiziert 97% der autistischen Personen korrekt. Damit ist er hervorragend geeignet, Autismus zu erkennen – falsch-negative Ergebnisse sind selten.
Variable Spezifität
Die Spezifität variiert je nach Punktebereich. Unter 65 ist die Spezifität hoch (wenige falsch-positive). Der Bereich 65-105 hat geringere Spezifität. Über 106 steigt die Spezifität auf 81%.
Die Grauzone (65-105)
Werte in diesem Bereich können Autismus widerspiegeln, aber auch ADHS, Angststörungen, Depression oder Trauma. Die Überlappung zwischen diesen Zuständen macht eine professionelle Bewertung für eine genaue Interpretation unerlässlich.
Professionelle Bewertung
Obwohl der RAADS-R ein validiertes Screening-Instrument ist, kann er keine Diagnose stellen. Eine umfassende Bewertung durch einen qualifizierten Fachmann berücksichtigt Ihre vollständige Vorgeschichte und Präsentation.
Wichtige Überlegungen
- •Der RAADS-R ist ein Screening-Instrument, kein diagnostisches Werkzeug. Nur qualifizierte Fachleute können eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostizieren.
- •Ihr aktueller psychischer Gesundheitszustand kann Ihre Punktzahl beeinflussen. Angst, Depression oder Stress können die Art beeinflussen, wie Sie Fragen beantworten.
- •Kulturelle und individuelle Unterschiede in der Selbstwahrnehmung können die Ergebnisse beeinflussen. Manche Menschen neigen dazu, Merkmale zu minimieren oder zu übertreiben.
- •Eine einzelne Punktzahl erfasst nicht das vollständige Bild. Berücksichtigen Sie Ihre vier Dimensionswerte (Sozial, Interessen, Sprache, Sensorik) für ein umfassenderes Verständnis.
Häufig gestellte Fragen zur Punktzahl
Häufige Fragen zur Interpretation der RAADS-R-Punktzahl
Kann ich meinen RAADS-R Wert als Diagnose verwenden?
Nein. Der RAADS-R ist ein Screening-Tool, das Hinweise gibt, aber keine Diagnose stellen kann. Eine formelle Diagnose erfordert eine umfassende Bewertung durch qualifizierte Fachleute, die verschiedene Aspekte Ihres Lebens berücksichtigt.
Warum gibt es verschiedene Schwellenwerte in verschiedenen Quellen?
Die ursprüngliche Studie von 2011 schlug 65 als Schwellenwert vor. Neuere Forschung von Hegarty et al. (2025) hat jedoch gezeigt, dass der Bereich 65-105 eine geringere Spezifität hat und differenziertere Schwellenwerte sinnvoller sind.
Was bedeutet es, wenn mein Wert knapp über oder unter einem Schwellenwert liegt?
Schwellenwerte sind keine starren Grenzen. Wenn Sie beispielsweise bei 63 oder 67 liegen, unterscheiden Sie sich nicht wesentlich. Die Bereiche sind Orientierungshilfen, keine absoluten Kategorien.
Können Angst oder Depression meinen Wert verfälschen?
Ja, psychische Zustände können die Ergebnisse beeinflussen. Soziale Angst kann ähnliche Auswirkungen haben wie autistische Schwierigkeiten in sozialen Situationen. Deshalb ist professionelle Bewertung wichtig.
Sollte ich den Test wiederholen?
Sie können den Test zu einem anderen Zeitpunkt wiederholen, aber die Ergebnisse sollten relativ stabil sein. Starke Schwankungen könnten darauf hindeuten, dass andere Faktoren Ihre Antworten beeinflusst haben.
Was sind die nächsten Schritte nach dem Test?
Bei erhöhten Werten (65+) empfehlen wir, die Ergebnisse mit einem auf Autismus spezialisierten Psychologen oder Psychiater zu besprechen. Sie können eine umfassende Bewertung durchführen und geeignete Unterstützung empfehlen.
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